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SNB belässt den Leitzins erneut bei 0.00%

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10 Dez 2025
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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Leitzins erneut bei 0,00 % belassen. Trotz der schwächelnden Konjunktur sieht sie weiterhin keinen ausreichenden Anlass für eine Rückkehr in den Negativzinsbereich. Zwar ist die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal 2025 gegenüber dem Vorquartal um 0,5% geschrumpft, doch dürfte die jüngst vereinbarte Zollsenkung im Handel mit den USA das Wachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) in den kommenden Quartalen wieder ankurbeln, auch wenn die Wirtschaftsleistung unter dem langjährigen Durchschnitt verharren dürfte.

Gleichzeitig bleibt die globale Konjunkturlage angespannt, und die Teuerung in der Schweiz war in der zweiten Jahreshälfte durch negative Monatsraten geprägt. Zuletzt lag die Jahresteuerung bei 0%. Ein ausgeprägtes Deflationsrisiko erkennt die SNB dennoch nicht, auch wenn ihre bisherigen Inflationsprognosen den Rückgang der Teuerung unterschätzt haben. Entsprechend sieht sie von weiteren Zinssenkungen ab. Stattdessen dürfte sie bei einer Aufwertung des Frankens weiterhin nur punktuell eingreifen, um abrupte Kursbewegungen zu dämpfen.

SNB-Geldpolitik noch nicht unter Druck

Trotz schwacher Konjunktur und erneuter möglicher negativer Teuerung sieht die SNB derzeit keinen akuten Handlungszwang für eine Rückkehr in den Negativzinsbereich, da sie die Preisstabilität mittelfristig weiterhin als gewährleistet erachtet. Gleichzeitig gelten kleine Zinsschritte ins Negative als wenig wirksam, während ihre Nebenwirkungen zunehmen würden. Aus geldpolitischer Sicht entsteht daraus eine hohe Eingriffsschwelle: Entweder bleibt die SNB länger in einer abwartenden Haltung oder sie reagiert erst bei einer klaren Verschärfung der Lage mit einem grösseren Zinsschritt von 0.5%.

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Reaktion der Märkte

Die unmittelbare Reaktion an den Finanzmärkten fällt verhalten aus. Sowohl die Zinskurve als auch der Schweizer Franken zeigen sich gegenüber dem Vortag praktisch unverändert. Auch die Aktienmärkte reagieren auf den heutigen Zinsentscheid nur wenig beeindruckt, wobei der Schweizer Aktienmarkt aufgrund einer generell schwachen Börseneröffnung im Minus notiert.

Divergierende Geldpolitik, jedoch synchroner Anstieg der langfristigen Zinsen

Während die Schweiz im Tiefzinsumfeld verharrt, diskutiert die Fed über das geeignete Tempo möglicher Zinssenkungen, während in der Eurozone bereits wieder Stimmen für potenzielle Erhöhungen laut werden. Die geldpolitischen Wege driften damit weiter auseinander. Gleichzeitig sind jedoch alle Wirtschaftsräume mehr oder weniger vom Anstieg der langfristigen Zinsen betroffen. Auffällig ist derzeit, dass insbesondere Bewegungen am europäischen langen Ende die stärksten Ausschläge bei den Schweizer Zinsen auslösen. Entscheidend wird sein, ob die Schweiz ihre Sonderrolle als Zinsinsel behaupten kann oder ob auch hierzulande wieder nachhaltig höhere langfristige Zinsen sichtbar werden.

Global synchroner Anstieg langfristiger Zinsen

Entwicklung 10-jähriger Staatsanleiherenditen

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Kommentar Bekim Laski, CFA, CIO

Der Schweizer Franken steckt in einer Zwickmühle: Einerseits bleibt er wegen seiner hohen Bewertung anfällig für Korrekturen, andererseits bewahrt ihn sein Ruf als sicherer Hafen vor deutlicherer Schwäche. Die Währung war zuletzt zunehmend von globalen Strömungen statt von heimischen Fundamentaldaten beeinflusst. Mit dem Ende des synchronisierten Zinssenkungszyklus im Jahr 2026 zersplittert die geldpolitische Landkarte: Die USA dürften moderat weiter senken, während Eurozone und Vereinigtes Königreich pausieren und die EZB die Zinsen bis Jahresende sogar leicht anheben könnte. Japan setzt seine Normalisierung fort. Die Schweiz bleibt der währungspolitische Sonderfall, mit einem Leitzins bei null und einer SNB, die zögerlich agiert. Dem Franken fehlen somit klare Impulse, er dürfte aber auch 2026 eher stark bleiben.

Kommentar Burak Er, CFA, Head Research & Advisory Solutions

Die SNB bewegt sich derzeit in einer geldpolitischen Komfortzone. Trotz unterdurchschnittlicher Konjunktur und einer tiefen Teuerung, die im kommenden Jahr erneut in den Negativbereich rutschen dürfte, bleibt der unmittelbare Druck für weitere Lockerungen begrenzt. Es bräuchte klar erkennbare Signale einer ausgeprägten Deflation oder eines deutlichen Konjunktureinbruchs, die derzeit noch nicht ausreichend sichtbar sind. Sollten sich diese jedoch verdichten, dürfte die SNB eher mit einem kräftigen Zinsschritt von 0.50 Prozentpunkten reagieren. Entsprechend ist eine Rückkehr in den Negativzinsbereich im nächsten Jahr nicht ausgeschlossen.

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Bekim Laski

Chief Investment Officer und Partner
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