1. |
Krähenpsalme
08:14
|
|||
|
Raureif klammert sich an Halme
Über Feldern schnarren Krähen ihre Krähenpsalme
Von Verwesung und was tief in der Erde lauert,
die eine wahre Religion, die alles Leben überdauert
Wieder habe ich 12 Monde verbracht
Wieder so getan, als hätte mir das nichts ausgemacht
Ein Wimpernschlag und es ziehen die Dekaden
Hin zu sternenloser Nacht, zu den letzten Gestaden
Jedes Feuerwerk hat seinen Zauber verloren
Der Quell des Lebens zu Essig vergoren‘
Einsame Jahre hängen in altersschwachen Gliedern
beklagt in den immer gleichen Liedern, wieder und wieder
Zu lange Herbst, zu lange welk
Leben wie ein Blatt zu Boden fällt
taumelnd und treibend, doch immer strebend
... dem Ende entgegen
Wenn der Schnee kommt und das Land bedeckt,
Der Wind nach Kälte und nach Lethe schmeckt
Was mit schwieligen Händen erschaffen, reißt es alles ein
lasst mich zwischen Wurzeln liegen und vergessen sein
Ziellos streifend durch Dezemberwälder
Letztlich blieben nur Ruinenfelder
einsame Tränen und zerfurchte Haut
zitternde Hände haben jedes Monument umsonst gebaut
Nie geschlagen eine verdammte Kerbe
In Yggdrasils Ranken als mein Erbe
Kein Harz, das aus Wunden tropft und quillt
Wenn mich die letzte Nacht umhüllt
Nichts hat Bestand
Nichts hat Substanz
Zwischen Käfern und Würmern erklingen die Krähenpsalme
Nichts hat Bestand
Nichts hat Substanz
Oh, wie sie alle Hoffnungen schnarrend zermalmen
Winterherz, January 2024
|
||||
2. |
Bamberg, 20. Juni
10:30
|
|||
|
Rucksack geschultert, gelehnt an Mauer
Das Klimpern von Flaschen
Beide Mucke auf den Lauschern
Bei dir vermutlich was das ballert
Von weitem schon das Grinsen
Ne Umarmung, „Tut gut dich zu sehen“
Viel zu selten, dass es klappte,
Aber wenn dann wars zum Sterben schön
Erstmal Tegut und den Brand gelöscht
Durch die Stadt beim ersten „Wie geht’s“
Schlenkerla und flüssig Rauch gezischt
Dies und das und vom letzten Jahr erzählt
Tag zu Nacht und Nacht zum Morgengrauen
Mit Freundschaft gesegnet
Hab gedacht das würde alles überdauern
Nie mit dem verfickten Krebs gerechnet
Ich meißel‘ deinen Namen in diesen Stein aus Ton
Ein Monument, Deklaration
Wie wir damals Abschied nahmen,
Als wir uns das letzte Mal in Bamberg sahen
Tommy…
Ich baue einen Schrein in meinem Herzen,
Weil es diese Erinnerungen wert sind
Mein Lachen mit Trauer bemalt
Weil deines nicht mehr durch den Äther hallt
Lange nichts gehört von dir
Anrufe ins Leere
Irgendwie hab ich’s gespürt,
Dass ich dich verlieren werde
Ein „Mach’s gut“ und „Ich komm bald wieder“
Ich war stumm, als ich reden sollte
Du lagst da, ein Schatten deiner selbst
Gab noch so viel was ich sagen wollte
Als ob du darauf gewartet hättest
verließ dich danach die Kraft
Selbst zu schwach, um zu hören
Was du mir bedeutet hast
Ich sah ihren Namen
und etwas zerbrach in mir
die Tränen, die dann kamen,
Zeugen vom nie Erlebten mit dir
Ich meißel‘ deinen Namen in diesen Stein aus Ton
Ein Monument, Deklaration
Wie wir damals Abschied nahmen,
Als wir uns das letzte Mal in Frankfurt sahen
Tommy…
Ich baue einen Schrein in meinem Herzen,
Weil es diese Erinnerungen wert sind
Mein Lachen mit Trauer bemalt,
Weil deines nicht mehr durch den Äther hallt
Auf einmal wünschte ich die Geschichten der alten Männer wären wahr
und du würdest nicht nur Leere, sondern Frieden finden
Auf mich an gebogenen Tischen für weitere ewige Nächte warten
Um wieder gemeinsam von billigen Räuschen zu singen
In Erinnerung an Tommy Karl, gestorben am 7.4.2022
Winterherz, Mai 2022
|
||||
3. |
||||
4. |
Von Hypnos und Thanatos
08:33
|
|||
|
Wie die Sonne über der Tundra möchte ich vergehen
glühend rot, in Schnee und Eis
Und doch wünsch ich mir die Dämmerung zu bestehen
auf das das Herz des Waldes auf ewig bleibt
Betrachte das Königreich, das in Trümmern liegt
tausendfach eingerissen und wieder aufgebaut
was ist es das am Ende von den Monumenten blieb?
War nur Bollwerk gegen Einsamkeit, immer grell, immer laut
Die alten Bündnispartner ziehen weiter
Mit Hoffnung und forschem Herzen im Gepäck
und ich hinterlass Ruinen eines Reiches
einem kleinen König, einsam weil er Blutschuld trägt
Bin zu erschöpft um die Feuer noch zu schüren
für einen Traum von dem am Ende doch nichts bleibt
War eh nur fauler Zauber um nicht zu spüren
Ohhh, die verrottete Romantik der Einsamkeit
Verglüh, Vergehe
Wie kriechende Schatten im Unterholz ergreift mich die Angst
grausam und finster, Düsternis und Erde
Denk ich dran was der letzte Moment verlangt
die Erkenntnis Staub und Asche zu werden
Wie ein fahler Mond möchte ich im Meer versinken
wenn sich ergießt ein Gestern in Morgen und Morgen im Heute
Wenn ich mit überquellenden Bechern aus Lethe‘s Fluten trinke
Oh alles vergebens, selbst Reue und Freude
Jede Nacht, wenn der Schlaf nicht kommt
Die Gedanken rasen wieder
Alles scheint aussichtslos
Nur verfluchte Lieder über
Todeswunsch und Todesangst
Ein Ringen um Vorherrschaft
Der ewigwährende Kampf
Hält mich für immer wach
Wenn das Herz wieder schneller pocht
weil Panik dir die Brust zuschnürt
Das Leben täglich aus dir tropft
und hast es selbst doch nie gespürt
Wenn die Schranken fallen
endlich sinke ich farblos
doch selbst hier hör ich‘s widerhallen
von Hypnos und Thanatos
Winterherz, Juni 2024
|
||||
5. |
||||
|
Stürzend, fallend, die letzten Fragen hallend
wo bin ich und wie kam ich hierhin
Die Seele wallend, an Monumente krallend
Ich bin nicht bereit für den Weg der mir bestimmt
Wie soll ich von schwarzen Wassern trinken
Hände nicht nach Ästen fassen
Ohne Reue in Lethes Fluten sinken
vom Nichts zu letzten Stätten treiben lassen
Lethe, ich hör dein Locken durch die Zeiten
zwischen starren, klammen Fingern zerrinnt der Sand
gerahmt in Kindergekritzel, sieh hier meine ehrlichsten Zeilen
Der Fluch des Schaffenden, dass ich nie genug sein kann
Auch wenn mich davon noch viele Monde trennen,
fühl ich mich am Fluch des Schaffenden zerbrechen
das eigene Werk nicht zu vollenden
Sowie die beißende Angst vorm Vergessen
Denn" was bleibt" ist was innerlich zerreißt
Ein heißes Fieber sich unsterblich zu machen
Ein Denkmal, das den eigenen Wert beweist,
und neue Funken des Entstehens zu entfachen
Ach, könnt ich kosten von Mnemosynes Quell
dem gequälten Geist Gewissheit geben
ob meine Seele oder ein Lachen, glockenhell
in ewigen Liedern durch die Zeiten leben
Wenn längst zu Staub zerfallen all meine Monumente
verstummt selbst das Echo meiner herbstlich‘ Klagen
Hoff ich das ein Funke immer noch bestände
meine Geschichten von Monden und Königen in neue Herzen getragen
Wie soll ich von schwarzen Wassern trinken
Hände nicht nach Ästen fassen
Ohne Reue in Lethes Fluten sinken
vom Nichts zu letzten Stätten treiben lassen
Lethe, ich hör dein Locken hör dein Rufen
Der Fluch des Schaffenden, meine Pein
Die Essenz all meines Strebens, meines Suchens
Wenn ich schon vergessen muss, so lass mich nicht vergessen sein
Winterherz, Dezember 2021
|
||||
6. |
Knochengesang
07:49
|
|||
|
Ich bin schweißgebadet aufgewacht
Ein Grauen hing im Raum
Ein hartes Pochen in der Brust
Nie wieder Schlaf nach diesem Traum
Denn ich stand im Winterwald
unterm Mond der in trägen Wolken hing
Als Sternenstaub wie Frost zu Boden fiel
und alle Hoffnung von mir ging
Wie Nebel hing die Ewigkeit
Zwischen stummen Winterfichten
denn vor mir stand der Knochenmann
so schrecklich wie in den Geschichten
Eine Stimme die wie das Ende sang
fragte mich wohin ich ging
Selbst als das Echo im Schnee verklang
kam mir keine Antwort in den Sinn
Es klirrt durch Mark und Bein
Wenn Knochen singen
Auf meinen morschen Knochen spielt der Wind das letzte Geleit
hörst du seine verhängnisvolle Melodie, bist du bereit
Hast du erschaffen, was du schaffen musstest,
Erklingen deine Lieder, weil du Herzen zu berühren wusstest
Erklingen deine Lieder, um bittersüß zu tanzen
Ein Zittern ging durch meinen Leib
Als mich bleiche Hände hielten
Seine Augen schienen mich zu richten
Während Eiskristalle fielen
Dröhnend dann die Frage
Was ist es das dir das Blut gefriert
Meine ewige Umarmung
oder dass du dich in ihr verlierst
Er klirrt durch Mark und Bein
der verdammte Knochengesang
Auf meinen morschen Knochen spielt der Wind das letzte Geleit
hörst du seine verhängnisvolle Melodie, bist du bereit
Hast du erschaffen, was du schaffen musstest,
Erklingen deine Lieder, weil du Herzen zu berühren wusstest
Erklingen deine Lieder, um bittersüß zu tanzen
Suchst du immer noch die Antwort, die mich umgeht
Das eine Monument, das meinem kaltem Atem widersteht
Aber du kannst schaffen bis deine Finger kalt und steif sind
Irgendwann vergehen auch die letzten deiner Lieder im Wind
Winterherz, December 2023
|
||||
7. |
The Parting Glass
04:42
|
|||
|
Of all the money that e'er I had
I spent it in good company
And all the harm that e'er I did
Alas it was to none but me
And all I've done for want of wit
To mem'ry now I can't recall
So fill to me the parting glass
Good night and joy be to you all
Of all the comrades that e'er I had
They are sorry for my going away
And all the sweethearts that e'er I had
They'd wish me one more day to stay
But since it fell unto my lot
That I must rise and you must not
I gently rise and softly call
Good night and joy be to you all
So fill to me the parting glass
And drink a health whate'er befalls
Then gently rise and softly call
Good night and joy be to you all
But since it fell unto my lot
That I must rise and you must not
I gently rise and softly call
Good night and joy be to you all
Traditional
|
||||
Waldgeflüster Munich, Germany
Started as solo-project of Winterherz, but becoming a full band in 2014, Waldgeflüster shows an individual mix of
melancholic and nature-bound topics. The project, which was founded in autumn 2005, renders homage to Black Metal and its complexity with every note and every word of the lyrical songs.
Waldgeflüster is Black Metal: emotional, profound, nature-bound…
... more
If you like Waldgeflüster, you may also like: