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Walkaway
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"Walkaway" ist ein Buch, was die Leserschaft (insbesondere die SF-Fans) spalten wird wie kein anderes in der näheren Vergangenheit. Angesiedelt in der nahen Zukunft, auf einer erschöpften und der Klimawandlung unterworfenen Erde, beherrscht von Macht- und Geldgierigen Superreichen (im Roman Zotta's genannt), die die kapitalisteschen Gesellschaft (hier "der Default" genannt) auf der ganzen Welt (es gibt nur noch kapitalistische Staaten auf der Welt) beherrschen. Es bildet sich eine Gegenbewegung, die sog. Walkaway's, die aus dieser Gesellschaftsordnung aussteigen und eine quasi anarchistische Bewegung gründen. Anarchie ist hier allerdings das falsche Wort, in dieser Gesellschaft gibt es sehr wohl Regeln, an denen eisern festgehalten wird. Niemand darf sich über die anderen stellen und ihnen ihren Willen aufzwingen. Diese utopische Gesellschaft funktioniert auch deshalb, weil durch die fortgeschrittene Technologie fast alles, was man zum Leben braucht, mit Hilfe von Computern und 3D-Druckern kostenlos hergestellt werden kann. In der normalen Gesellschaft (der Default) ist das aber verpönt, hier gilt weiterhin die Macht des Geldes. Waren werden hier durch Patente, Markenrecht und Kopierschutzmechanismen künstlich verknappt und weiterhin verkauft.
Doctorow stellt in seinem Roman die Frage: Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, in der theoretisch alles Materielle im Überfluss vorhanden ist? Seine Antwort: Es kommt zum Krieg. Denn die Zottas haben Angst davor, ihr privilegiertes Leben, das auf ökonomischer Ausbeutung beruht, zu verlieren. Deshalb versuchen sie die Walkaways, die eben die Auflösung wirtschaftlicher Zwänge in einer Post-Knappheits-Gesellschaft propagieren, mit lückenloser Überwachung, psychologischer Zersetzung und militärischer Macht auszuradieren.
Neben diesem Stachel im Fleisch der Zottas treibt die Technologie der Walkaways (die vorwiegend aus brillianten Köpfen aus allen Wissenschaftsbereichen zu bestehen scheinen) noch weitere Innovationen voran, insbesondere eine Technologie, die es erlaubt, das eigene Bewußtsein als Kopie in der Cloud zu betreiben. Keine echte Unsterblichkeit, aber doch irgendwie die Angst vor dem Tod nehmend, verschärft das die Konflikte zusätzlich. Denn wenn diese Technologie jedem zur Verfügung steht und keiner mehr Angst vorm Sterben haben muss, verlieren die mächtigen Zottas ihr letztes Druckmittel gegenüber den Armen und Aussteigern...
Die Handlung wird zwar aus der Perspektive einzelner Charaktere dargestellt, die leben, lieben und auch sterben, gleichzeitig stehen diese Figuren aber auch für bestimmte Philosophien und Konzepte.
In den, über weite Strecken vorherrschenden Dialogen werden auch spannende Fragen erörtert; Ist eine Gesellschaft ohne Geld möglich? Welchen Lebenszweck hat ein Mensch, wenn er sich nicht mehr beweisen kann? Und wie ändert sich das alles, wenn man sein Bewusstsein als Software betreiben kann? usw.usf.
"Walkaway" ist ein wichtiges Buch in unserer Zeit, das ein mögliches Denkmodell einer zukünftigen, utopischen Gesellschaft darstellt, man muß nicht mit allen Thesen übereinstimmen, aber man muß Doctorows Imaginationsfähigkeit anerkennen, solch ein Szenario auszuarbeiten.
Daneben ist "Walkaway" aber auch ein ungemein spannendes Buch mit überragenden Charakteren und mit glaubhaften, technologieschen Innovationen...
Doctorow stellt in seinem Roman die Frage: Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, in der theoretisch alles Materielle im Überfluss vorhanden ist? Seine Antwort: Es kommt zum Krieg. Denn die Zottas haben Angst davor, ihr privilegiertes Leben, das auf ökonomischer Ausbeutung beruht, zu verlieren. Deshalb versuchen sie die Walkaways, die eben die Auflösung wirtschaftlicher Zwänge in einer Post-Knappheits-Gesellschaft propagieren, mit lückenloser Überwachung, psychologischer Zersetzung und militärischer Macht auszuradieren.
Neben diesem Stachel im Fleisch der Zottas treibt die Technologie der Walkaways (die vorwiegend aus brillianten Köpfen aus allen Wissenschaftsbereichen zu bestehen scheinen) noch weitere Innovationen voran, insbesondere eine Technologie, die es erlaubt, das eigene Bewußtsein als Kopie in der Cloud zu betreiben. Keine echte Unsterblichkeit, aber doch irgendwie die Angst vor dem Tod nehmend, verschärft das die Konflikte zusätzlich. Denn wenn diese Technologie jedem zur Verfügung steht und keiner mehr Angst vorm Sterben haben muss, verlieren die mächtigen Zottas ihr letztes Druckmittel gegenüber den Armen und Aussteigern...
Die Handlung wird zwar aus der Perspektive einzelner Charaktere dargestellt, die leben, lieben und auch sterben, gleichzeitig stehen diese Figuren aber auch für bestimmte Philosophien und Konzepte.
In den, über weite Strecken vorherrschenden Dialogen werden auch spannende Fragen erörtert; Ist eine Gesellschaft ohne Geld möglich? Welchen Lebenszweck hat ein Mensch, wenn er sich nicht mehr beweisen kann? Und wie ändert sich das alles, wenn man sein Bewusstsein als Software betreiben kann? usw.usf.
"Walkaway" ist ein wichtiges Buch in unserer Zeit, das ein mögliches Denkmodell einer zukünftigen, utopischen Gesellschaft darstellt, man muß nicht mit allen Thesen übereinstimmen, aber man muß Doctorows Imaginationsfähigkeit anerkennen, solch ein Szenario auszuarbeiten.
Daneben ist "Walkaway" aber auch ein ungemein spannendes Buch mit überragenden Charakteren und mit glaubhaften, technologieschen Innovationen...
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Walkaway.
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Reading Progress
June 9, 2018
– Shelved
June 9, 2018
– Shelved as:
to-read
August 4, 2018
–
Started Reading
August 4, 2018
– Shelved as:
phantastik
August 4, 2018
– Shelved as:
science-fiction
August 4, 2018
– Shelved as:
utopie
August 15, 2018
–
27.17%
"Ein Buch, wie man es von Doctorow kennt. Die Utopie einer post-kapitalistischen Gesellschaft, aber an ein deutlich erwachseneres Publikum. Mal sehen, wohin uns, die im Default noch verhaftet sind, das Buch noch führt. Der Anfang macht jedenfalls Lust auf die Endeckungsreise..."
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200
August 19, 2018
–
Finished Reading
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message 1:
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Powerschnute
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Aug 27, 2018 05:37AM
mit dem Spalten hast Du völlig recht. Ich hab das Buch jetzt bei Seite 300 abgebrochen. Absolut so gar nicht meins. Nicht mal ansatzweise. Und wenn ein Buch erstmal so richtig harte Arbeit wird und ich es schon gar nicht mehr zur Hand nehmen will, dann ist das ein Zeichen für mich, es auch nich weiterzulesen.
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Das tut mir leid, dass es Dir gar nicht gefallen hat.Ich muss aber zugeben, dass er mich auch erst ab der Mitte etwas gepackt hat. Auf jeden Fall ist es ein Roman, der nicht einfach ist und mit dem man Geduld haben muss...
das ist es ja, was mich so verwundert. Geduld habe ich jede Menge und ich liebe anspruchsvolle Bücher, aber mit Walkaway wurde ich absolut nicht warm. kein bisschen. Vielleicht mal zu einem anderen Zeitpunkt nochmal versuchen.


