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So sprach Achill
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Anika's review
bookshelves: g-fantasy-supernatural-myths, ty-fiction, medium-book, x-from-the-husbands-shelf, read-author-male-only, read-in-2020, read-in-german, z-shifting-povs, 3-stars-liked
Apr 28, 2020
bookshelves: g-fantasy-supernatural-myths, ty-fiction, medium-book, x-from-the-husbands-shelf, read-author-male-only, read-in-2020, read-in-german, z-shifting-povs, 3-stars-liked
Was für ein spannendes literarisches Experiment: Alessandro Baricco legt hier eine Art schönheitsoperierter Version der Ilias vor (wobei Schönheit, wie so oft, im Auge des/der Betrachtenden liegt): Ein bisschen hier gestrafft, ein wenig da abgesaugt, und dort noch ein bisschen untergespritzt. Das Ergebnis konnte sich für mich durchaus sehen lassen.
Die Grundidee war folgende (der Autor erläutert das recht ausführlich in seinem Vorwort): Baricco wollte eine Art "alltagstauglichere" Version der Ilias, die von der Länge her für eine Radioübertragung umsetzbar war. Also würde hier mächtig gekürzt, unter anderem spielen die Auftritte der Gottheiten überhaupt keine Rolle. Auch wurde die Erzählweise komplett geändert: Statt choraler Verse gibt es hier Berichte in der Ich-Person aus wechselnden Erzählstimmen. Neben den bekannten Hauptcharakteren (Achilles, Odysseus, Helena usw.) der Erzählung kommen auch Nebenfiguren zu Wort. Selbst der Fluss bekommt ein Kapitel, um sich darüber zu beklagen, dass sich sein Wasser mehr und mehr vom Blut der Kriegswütigen getränkt wird. An einigen wenigen Stellen hat Barrico außerdem noch eigene Zeilen eingefügt (stets gekennzeichnet), die für mich ebenfalls gut ins Bild passten.
Trotz dieser gestrafften und anders ausgerichteten Art der Erzählung bliebt die Brutalität der ursprünglichen Geschichte erhalten - dies ist keine weichgespülte Version. Die detaillierten Beschreibungen der Kampfszenen sind häufig und immer wieder erschreckend: Seitenlange Erzählungen, wer wem welche Lanze wohin sticht, wo sie wieder rauskommt, welche Organe dabei zerfleischt bzw. mit herausgerissen werden usw. - wohl keine Lektüre für den Frühstückstisch.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieses Buch bei Hardcore-Ilias-Fans ein Stirnrunzeln oder mehr hervorruft. Für Leute wie mich, die die Grundzüge der Ilias kennen, sich bisher aber nicht dazu motivieren konnten, das Original zu lesen, bietet dieses Buch eine gute Alternative.
Die Grundidee war folgende (der Autor erläutert das recht ausführlich in seinem Vorwort): Baricco wollte eine Art "alltagstauglichere" Version der Ilias, die von der Länge her für eine Radioübertragung umsetzbar war. Also würde hier mächtig gekürzt, unter anderem spielen die Auftritte der Gottheiten überhaupt keine Rolle. Auch wurde die Erzählweise komplett geändert: Statt choraler Verse gibt es hier Berichte in der Ich-Person aus wechselnden Erzählstimmen. Neben den bekannten Hauptcharakteren (Achilles, Odysseus, Helena usw.) der Erzählung kommen auch Nebenfiguren zu Wort. Selbst der Fluss bekommt ein Kapitel, um sich darüber zu beklagen, dass sich sein Wasser mehr und mehr vom Blut der Kriegswütigen getränkt wird. An einigen wenigen Stellen hat Barrico außerdem noch eigene Zeilen eingefügt (stets gekennzeichnet), die für mich ebenfalls gut ins Bild passten.
Trotz dieser gestrafften und anders ausgerichteten Art der Erzählung bliebt die Brutalität der ursprünglichen Geschichte erhalten - dies ist keine weichgespülte Version. Die detaillierten Beschreibungen der Kampfszenen sind häufig und immer wieder erschreckend: Seitenlange Erzählungen, wer wem welche Lanze wohin sticht, wo sie wieder rauskommt, welche Organe dabei zerfleischt bzw. mit herausgerissen werden usw. - wohl keine Lektüre für den Frühstückstisch.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieses Buch bei Hardcore-Ilias-Fans ein Stirnrunzeln oder mehr hervorruft. Für Leute wie mich, die die Grundzüge der Ilias kennen, sich bisher aber nicht dazu motivieren konnten, das Original zu lesen, bietet dieses Buch eine gute Alternative.
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So sprach Achill.
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Reading Progress
December 13, 2018
– Shelved
December 13, 2018
– Shelved as:
to-read
December 13, 2018
– Shelved as:
g-fantasy-supernatural-myths
December 13, 2018
– Shelved as:
ty-fiction
December 13, 2018
– Shelved as:
medium-book
April 25, 2019
– Shelved as:
x-from-the-husbands-shelf
April 23, 2020
–
Started Reading
April 24, 2020
–
10.94%
"Ich will euch erzählen, was ich weiß, damit auch ihr versteht, was ich verstanden habe: Der Krieg ist eine Obsession der alten Männer, und in den Kampf schicken sie die jungen."
page
21
April 27, 2020
–
Finished Reading
April 28, 2020
– Shelved as:
read-author-male-only
April 28, 2020
– Shelved as:
read-in-2020
April 28, 2020
– Shelved as:
read-in-german
April 28, 2020
– Shelved as:
z-shifting-povs
May 1, 2020
– Shelved as:
3-stars-liked
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message 1:
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Lea
(new)
May 02, 2020 04:28AM
Was sind denn die "nachteile" des Buches? Da es ja doch nur 3 Sterne wurden.
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Lea wrote: "Was sind denn die "nachteile" des Buches? Da es ja doch nur 3 Sterne wurden."Die lagen für mich eher in der Geschichte an sich: Krieg, Krieg, Krieg, Kampf, Kampf, Kampf, Männer, die geil aufs Abmetzeln anderer sind, über Seiten und Seiten. Das ist nichts, was mich inhaltlich sonderlich vom Hocker haut - und ich vergebe keinen Sonderbonus, nur weil es sich bei der Vorlage um eine klassische Erzählung handelt ;) Dafür unterm Strich 3 Sterne, in meinem "System" eine gute solide Bewertung.

