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Faust. Der Tragödie Erster Teil
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„Der Faust“, DAS deutsche Drama über die Verführbarkeit des Intellektuellen. Trotz meines fortgeschrittenen Alters war dies meine erste Lektüre. Zuvor war mir nur die Verfilmung mit Gustav Gründgens in der Rolle des Mephistopheles bekannt. Den Anstoß hat die vorangegangen Lektüre von Bulgakows „Meister und Margarita“ gegeben, das das Faustmotiv aufgreift und in die frühe Sowjetunion überträgt. Tatsächlich taucht der Name „Volant“ bereits bei Goethe als einer der Pseudonyme des Teufels auf. Dabei ist Mephisto nicht DER Teufel an sich, eher eine mittlere Kategorie der teuflischen Wesen. Er selbst definiert sich als Ein Teil von jener Kraft, Die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Dass dem nicht so ist, davon wird sich Faust überzeugen. Nicht nur hilft er dem alten Gelehrten durch einen Verjüngungstrank die unschuldige Margarete zu verführen, auch macht er Faust zum Mörder von Gretchens Bruder und Gretchen selbst zu unwissentlichen Mörderin ihrer Mutter. Und als Gretchen schwanger wird und ihr Neugeborenes (aus Unkenntnis, im Schock, aus Scham?) tötet, sind Faust und Mephisto schon über alle Berge, bzw. genauer auf dem Bocksberg bei der Walpurgisnacht.
Ich habe den Faust gänzlich ohne Erläuterungen gelesen, um mir selbst einen ersten Eindruck zu verschaffen und Goethes Kunst unverwässert zu genießen. Allerdings hat mich die rigide Sexualmoral gegenüber Frauen jener Zeit und Gretchens tragische Schicksal persönlich berührt, vermutlich genau so wie von Goethe beabsichtig. Ein Rating maße ich mir nicht an.
Ich habe den Faust gänzlich ohne Erläuterungen gelesen, um mir selbst einen ersten Eindruck zu verschaffen und Goethes Kunst unverwässert zu genießen. Allerdings hat mich die rigide Sexualmoral gegenüber Frauen jener Zeit und Gretchens tragische Schicksal persönlich berührt, vermutlich genau so wie von Goethe beabsichtig. Ein Rating maße ich mir nicht an.
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Faust. Der Tragödie Erster Teil.
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Reading Progress
August 10, 2024
– Shelved as:
to-read
August 10, 2024
– Shelved
August 10, 2024
– Shelved as:
classic
August 10, 2024
– Shelved as:
drama
September 19, 2024
–
Started Reading
September 19, 2024
–
6.0%
"Endlich, endlich lese ich den Faust. In der Schule haben wir leider einen Bogen um dieses Drama gemacht, obwohl es doch als ein Höhepunkt der deutschen Klassik angesehen wird und viele andere Werke darauf referenzieren.
Der Beginn ist vielversprechend. Der respektlose Offenheit, mit der ein Theaterdirektor sein Publikum im Vorspiel beschreibt, hat mich überrascht und amüsiert."
Der Beginn ist vielversprechend. Der respektlose Offenheit, mit der ein Theaterdirektor sein Publikum im Vorspiel beschreibt, hat mich überrascht und amüsiert."
September 25, 2024
–
17.0%
"Gott und der schalkhafte Teufel Mephistopheles gehen eine Wette ein, ob es letztem gelingt, den gottesfürchtige Wissenschaftler Faust vom rechten Weg abzubringen. In der Osternacht verzweifelt Faust unterdessen an der Beschränktheit seiner Erkenntnis und ist kurz davor sich zu vergiften. Göttliche Chöre, die von Christi Auferstehung künden, erinnern ihn an seine Jugend und halten ihn von dem letzten Schritt zurück."
November 8, 2024
–
85.0%
"Die Tragödie hat ihren Lauf genommen. Mephisto hat Faust und dieser hat Gretchen verführt. Seine Suche nach immer neuen Genüssen kulminiert in der Walpurgisnacht."
November 10, 2024
–
Finished Reading
Comments Showing 1-6 of 6 (6 new)
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message 1:
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Frank
(new)
Nov 13, 2024 06:07AM
Gute Frage, was er beabsichtigt hat. ;-) Immerhin hat er selbst Todesurteile wegen "Kindsmords" unterschrieben. Minister und Künstler gingen da nicht eins in eins. Auch bei Goethe ist die Kunst oft klüger als der Künstler, der sich oft wohl nur im "dunklen Drange" des Guten stets nur halbwegs bewusst ist. ;-) So ist seine Liebeslyrik voll von momentan tief empfundenem Gefühl, ohne dass der Meister wirklich Ahnung davon hatte, was "Liebe" ist. Die sollte ihm bei den Romantikern höchst krankhaft vorkommen und Puschkins Duell wegen einer Frau hat er gar nicht verstanden. Der hätte sich doch eine andere nehmen können... Der Mutter seines Sohns gegenüber war er immerhin loyal bis liebevoll zugeneigt. "Liebe" hat also bei ihm so viele Schattierungen wie es ein Spektrum zwischen Gretchen und Helena gibt. ;-) Aber das ist auch die Größe seine Kunst, die eben so schön uneindeutig und mithin interpretierbar bleibt. Wenn''s dir was gegeben hat, ist alles gut. Mit Blick auf Margarita sowieso. ;-)
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Ich lese es seit vier Jahren jedes Jahr mit meinen 10. Klassen in der Schule. Ohne dass ich es beabsichtigt hatte (oder zuvor privat gelesen hätte), hat es sich mit jeder Lektüre weiter geöffnet und mir ganz allmählich im Schongang seine vielen Qualitäten dargeboten. Ich bin gespannt, wie ich es in 20 Jahren nach 20 weiteren Lektürerunden auffassen werde. Für mich momentan auch außerhalb einer Bewertung, zu viele Szenen sind noch unverstandene Geheimnisse.
Vielen Dank, Frank und Max, für eure Kommentare. Obwohl in der Nähe. Von Frankfurt lebend weiß ich erschreckend wenig über Goethe, sein Werk, seine Philosophie und sein Leben. Aus der Schulzeit ist sind mir nur einige Balladen (Erlkönig, Zauberlehrling, König von Thule) in Erinnerung. Diese habe ich geliebt und auch gern auswendig gelernt. Ansonsten hatten wir nur Werthers Leiden gelesen, die mir bis heute überhaupt nicht zusagen. Bei den Dramen aber nichts, nada. Dabei hat gerade der Faust soviel grundsätzliche Fragen an, über die ich als Schüler gerne nachgedacht und geredet hätte. Insofern beneide ich Deine SchülerInnen, Max. Ob sie es in dem Alter aber zu schätzen wissen und sich auf den Text einlassen können, ist eine andere Frage. Wenn ich da an meine Zehntklässler denke 🙄. Das bei Goethe das reale Leben als Politiker und Lebemann und die Welt seiner Stücke auseinander klaffen, wundert mich nicht. Ähnliches ist ja auch bei dem von mir verehrten Tolstoi zu beobachten, insbesondere was seine Einstellung zu Frauen betrifft. Im Faust finden Frauen nur als engelsgleiche Madonna, gesetzte Matrone oder Hexe Anerkennung. Ansonsten ist sie eine Hure oder Kupplerin. Aber vielleicht sprechen die übrigen Dramen eine andere Sprache.
Goethe beschreibt die Schlüsselerlebnisse in Wahrheit und Dichtung in den Jugendkapiteln. Das Herumstreifen mit einem Gretchen aus einer Schauspielertruppe, während der Kaiserkrönung und die spätere Hinrichtung einer Anna Margareta Brand wegen Kindsmord. Dabei soll er sich Gedanken gemacht haben, ob sich dasselbe ereignet hätte, wenn die Dinge mit seinem Kaiserkrönungsgretchen sich weiter entwickelt hätten.
Peter wrote: "Vielen Dank, Frank und Max, für eure Kommentare. Obwohl in der Nähe. Von Frankfurt lebend weiß ich erschreckend wenig über Goethe, sein Werk, seine Philosophie und sein Leben. Aus der Schulzeit ist..."In den Dramen findest du dazu eher nichts. Aber die wenig populären "Wahlverwandtschaften" geben einen guten Einblick in seine Ehe- und Liebesphilosophie. Hoch spannend, wenn man sich drauf einlässt und bedenkt, dass da jemand vor 200 Jahren darüber schreibt, dass man a) eine Ehe durchaus auflösen kann, wenn jemand anderes ins Leben tritt und b) gleichzeitig die bis heute viel zu wenig beachteten Folgen für die Kinder "aus erster Ehe" bedenkt. Nicht umsonst endet die Story tragisch.


