Armin's Reviews > Der Löwe

Der Löwe by Nelson DeMille
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bookshelves: verhauene_buecher, conspiracy

Rauferei auf Ground Zero

Was für ein Schmarren, über den fragwürdigen Inhalt und die alles andere als zufriedenstellende Gestaltung haben sich ja schon genügend enttäuschte Fans ausgelassen.
Da ich das, anscheinend virtuose, „Spiel des Löwen“, das diese Pflichtfortsetzung bei public demand geradezu provoziert hat, nicht kenne, sollte sich mein Entsetzen eigentlich in Grenzen halten. Aber schon der Qualitätsabfall innerhalb des Buches ist geradezu erschütternd.
Hat die aus dem Ruder gelaufene Beschattung eines iranischen Diplomaten noch einen gewissen Pfiff und der Mordanschlag beim Fallschirmsprung auf Coreys Frau, die mit durchgeschnittener Kehle gen Erde trudelt, einen nicht abzuleugnenden Thrill-Faktor, so ist danach schnell die Luft raus. De Milles Bücher sind traditionell mindestens 200 Seiten zu lang, aber so viel totes Holz ist mir selten untergekommen. Nelson De Mille fehlen definitiv ein paar Jahre Praxis als Heftromanschreiber, selbst wenn sein Schluss ein ähnliches Niveau ansteuert.
Mehr noch als der Spannungsverlust haben mich die in dritter Person eingestreuten Handlungsfäden mit Coreys Gegenspieler Asad Khalil erschüttert, der definitiv jeden seiner Helfer nach vollbrachter Aufgabe ins Paradies schickt. Mit dieser Politik der verbrannten Erde, die mehr Märtyrer aus eigener Hand produziert als Gegner vernichtet, kann keiner auf Dauer überleben, die Botschaft ist klar: alle Amerikaner mit arabischen Wurzeln, die einem Killer wie Khalil helfen, und sei es nur als Taxifahrer, sind Selbstmordattentäter per se, auch wenn sie sich nicht selbst in die Luft sprengen wollen.
Khalil ist ein Virtuose des Tötens, der seinen eigentlichen Gegenspieler Corey nicht bei erster Gelegenheit abknallt, sondern ihn erst mal genüsslich dabei zuschauen lassen will, wie seine Frau in der Luft verblutet, um dann später noch das große Duell auszufechten, nachdem er ein paar minderbemittelte Figuren aus dem Weg geräumt hat. Dergleichen beißt sich ein wenig mit der Effektivität, mit der er sämtliche Helfer eliminiert, um Spuren zu verwischen.
Auf dem mit Bomben beladenen Laster auf der Ground-Zero-Baustelle liegen denn auch neben den beiden Wachmännern gleich seine drei Bombenbastler, drei bosnische Untermoslems, die drei Jahre lang für diesen großen Tag unauffällig Explosivmaterial gesammelt haben, um nine-eleven noch mal ordentlich zu toppen.
So weit, so superlativisch, wie holprig und reich an erzählerischen Leerstellen der Weg zu diesem dramatischen Höhepunkt auch gewesen sein mag.Doch was kommt dann?

(view spoiler)



Wenn man schon so erzähltechnisch schlampig vorgeht und Helden-Ich-Erzähler mit einem Bösewicht in der dritten Person mixt, dann kann man bei einem derart spannungsrelevanten Thema durchaus Mut zur Lücke haben. Zumal De Mille seine Leser auch sonst nicht über jedes Morgengebet und jeden nächtlichen Klogang Khaliks informiert hat, sondern seinen Schwerpunkt beim Gegner unmissverständlich auf die Morde gelegt hat. Immerhin kommen mehr Gesinnungsgenossen als Gegner ums Leben, (wenn man zwei Kollateralschäden ausklammert).
Nelson De Mille hätte nicht auf seine Fans hören sollen, zumal er ihnen mit diesem als Löwen deklarierten Bettvorleger keine allzu große Freude gemacht hat.
Bei der binnen 24 Stunden bewältigten „Rückkehr nach Spencerville“ habe ich noch über manche seiner anscheinend typischen Schwächen hinweg gesehen, etwa den doppelten Erzählaufwand, bei dem der Leser 200 Seiten früher als der Held weiß, dass ein Sender unter der Stoßstange klebt.
Aber nach diesem als Bonus in meine Sammlung gelangten Rohrkrepierer, der das böser, sadistischer Sheriff - guter Agent-Schema nur variiert, ist dieser Stümper für mich erledigt.
Mit viel gutem Willen könnte man, wegen des guten Starts, vielleicht sogar zwei Sterne geben, aber die erzähltechnischen Defizite, die Bücher mit Substanz für bestenfalls 300 Seiten auf das Doppelte aufblähen, sorgen für die Höchststrafe.
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Reading Progress

January 30, 2014 – Started Reading
January 30, 2014 – Shelved as: to-read
January 30, 2014 – Shelved
January 30, 2014 –
page 350
60.76%
January 31, 2014 – Finished Reading
November 27, 2014 – Shelved as: verhauene_buecher
January 16, 2020 – Shelved as: conspiracy

Comments Showing 1-5 of 5 (5 new)

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message 1: by Michael (new)

Michael Ich liebe deine Abrechnungen und Verrisse. Einem Autoren Lehrstunden bei Heftromanschreibern zu verordnen ist grossartig - zumal ich mir vor ein paar Monaten einen Einblick über das (Un)Vermögen dieser Damen und Herren verschafft habe. Demnach sollte Mr DeMille sich dringends nach einem Beruf umsehen, der Einzahlungen in die Rentenkasse ermöglicht.


Armin Mein Vier-Sterne-Verriss von Kap der Finsternis war auch nicht schlecht, aber der Südafrika-Elmore-Leonard hatte gewisse Qualitäten, das hier ist absoluter Müll.


message 3: by Alexandra (new)

Alexandra :D ... Aber soviel totes Holz ist mir selten untergekommen .... genial


message 4: by JOHN BAKER (new) - added it

JOHN BAKER You would have liked the book better if you had read it in English!!


Armin I am giving wildfire a try in English next year.


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