Narrenzeit

by RIG

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1.
Tripetta 04:05
Ich war des Königs Narr und Krüppel Er lachte gern ich war sein Schatz Er schlug mich hart mit Faust und Knüppel Meine krummen Beine machten einen Satz Er schrie Hopp! Hopp! Hopp, Hopp Frosch! Hopp! Hopp! Hopp! Hopp! Tripetta lebte auch bei Hofe Sie war so klein von Wuchs wie ich Der König machte sie zur Zofe Wenn ich ihr nachsah kränkte er mich und rief Hopp! Hopp! Hopp, Hopp Frosch! Hopp! Hopp! Hopp! Hopp! Bleibe stark Hilf mir fort von hier Tripetta Sieh wie die Wolken ziehen Wir werden fliehen Tripetta Tripetta! Der König plante einen Ball Ein Maskenfest sollte es sein Er ließ mich rufen aus dem Stall in seiner Faust einen Kelch voll Wein Er rief Komm her und trink, Hopp Frosch! Komm her und trink! Tripetta trat verzagt nach vorn da ich den Wein nicht recht vertrug Der König raste blind vor Zorn als er Tripetta mit seinem Zepter schlug Was willst du tun, Hopp Frosch? Was willst du tun? Bleibe stark Ich helfe dir fort von hier Tripetta Sieh wie die Wolken ziehen Wir werden fliehen Tripetta Tripetta!
2.
Majestät 05:28
Die Zeit der Vergeltung ist da Tripetta Auf! Auf eure Majestät Eilt herbei, sonst ist es zu spät Vergebt, ich war so frei und rief die Weber herbei Hört nur die Idee fürs Maskenfest wie jedes Weibsbild sich erschrecken lässt Majestät liebt den derben Streich und den biete ich sogleich Auf! Auf! Zieht die Verkleidung an Als Orang-Utan geht ihr voran Verbreitet Schrecken, wie ihr wollt Schweigen bezahlt ihr wie immer mit Gold Macht schnell Die Damen kommen schon Gleich drängen sie vor euren Thron Wilde Fratze, Kupferfell Ihr schürt die Panik schnell Das Chaos ist perfekt Alles rennt und schreit Tripetta bleibt versteckt Sie hält sich bereit für den letzten Akt Auf! Auf! Eure Majestät Niemand erkennt euch, wo ihr geht weichen sie vor euch zurück Ihre Qual ist euer Glück Seht nur Dort unter dem Baldachin Tripetta scheint vor euch zu fliehen eine Fackel in der Hand den Rücken zur nackten Wand Der König starrt sie an Ein zügelloser Mann der alles haben kann bis zu dem Moment wo alles brennt Es ist soweit… Zünd das Feuer an Seine Majestät in die Verkleidung eingenäht Lass ihn brennen! Zünd das Feuer an Tripetta Flachs und Teer ein Flammenmeer Lass ihn brennen! Zünd das Feuer an Es verschlingt ihn! Für seine Majestät ist es längst zu spät Lass ihn brennen! Zünd das Feuer an Das Geschmeide und der Thron Sie lodern schon Lass alles brennen! Zünd das Feuer an Wo bist du? Rauch versperrt die Sicht Ich finde dich nicht Wir werden brennen! Zünd das Feuer an Gestatten, Hopp Frosch, der Zwerg Das hier war mein letztes Werk Wir werden brennen! Aus! Schluss! Das wars! Mein letzter Spaß …
3.
Geierauge 03:40
Dort liegt ein Mann Ich hab ihn erschlagen Ich weiß nicht mehr wann So viele Fragen Es gab kein Motiv Er hat nichts getan Es geschah, als er schlief Es war kein Wahn Es war sein scheeler Blick sein altes Geierauge Blass und blau und drüber eine Haut Es war sein scheeler Blick sein kaltes Geierauge Da! Schon wieder! Es hat mich angeschaut Geierauge Ich stand in seinem Raum erstarrt, wie in einem Traum reglos vor der Wand die Lampe in der Hand Die Lichter zugedreht Ich hörte, wie sein Atem geht Ich rang mit mir die ganze Nacht dann ist er aufgewacht Schlaf weiter! Schlaf wieder ein! Klopf! Klopf! Klopf! Ein hartes Pochen Klopf! Klopf! Klopf! Immer lauter Klopf! Klopf! Klopf! wie Höllentrommeln Es ist sein Herz Klopf! Klopf! Klopf! Ein dumpfes Dröhnen Klopf! Klopf! Klopf! Immer schneller Klopf! Klopf! Klopf! wie Paukenschläge Es ist sein Herz Die Pupillen Aufgerissen ganz weit in Todesangst verfluchtes Geierauge Es brennt auf mir so heiß Kann nicht wegsehen Sein Blick lähmt mich verfluchtes Geierauge Sein Geld war mir gleich Es gab genug Ich war nicht arm, nicht reich als ich ihn erschlug Der Greis, er starb weil ich ihn erwählte da es etwas gab das mich quälte Es war sein scheeler Blick sein altes Geierauge Blass und blau und drüber eine Haut Es war sein scheeler Blick sein kaltes Geierauge Da! Schon wieder! Es hat mich angeschaut Geierauge Schau mich nicht an Schau mich nicht so an
4.
Prospero 05:16
Die Pest macht die Runde Erst ein Schnupfen Man merkt es kaum Dann rote Tupfen im ganzen Gesicht vom Hals an die Hände Von Anfang bis Ende kaum eine blutige Stunde Prinz Prospero steht am Fenster im Blauen Salon und sein Blick schweift suchend davon runter zur Mauer zum Tor der Abtei und er fühlt sich frei als die Uhr schlägt Draußen wütet die Pest und der Adel er feiert ein Fest einen Maskenball mit Schönheit und Wein schließen sie sich ein weit weg von Tod und Verfall Prinz Prospero hält eine Rede im Grünen Salon doch er ahnt es schon jedes Lächeln gefriert als es wieder passiert und ganz hinten im samtschwarzen Raum die Uhr schlägt Durch die Hallen schreitet stumm eine hagere Gestalt sie macht erst Halt vor der ehernen Uhr Weshalb nur ist sie ohne Not gekleidet wie der rote Tod? Prinz Prospero folgt diesem Frevler in den Schwarzen Salon Hier kommt er nicht davon! Er greift nach dem Gesicht Da ist nichts nur totes Fleisch Er flüstert leise „Ich bin der Tod! Der rote Tod!“ Der Menschen Leiber sie winden sich im Blut Sie schreien in höchster Not Die Fratzen starren voll Angst und blinder Wut Doch über alles und alle herrscht der rote Tod
5.
Fortunato 12:45
Nemo me impune lacessit Er kauerte am Straßenrand nicht im Stand‘ sich hinzustellen die Narrenkappe in der Hand Es klingelten die Schellen Ich lachte ihm zu, wie immer da er unmöglich ahnte dass ich Rache nein, schlimmer seinen Hingang plante Nemo me impune lacessit Seid gegrüßt, Fortunato! Montresor, Ihr wirkt befreit Trankt Ihr etwa, soviel wie ich? Sagt, findet Ihr die Narrenzeit am End‘ gar nicht so fürchterlich? Ihr liebt die Stille Ihr liebt das Feine und nun so heiter? Kommt! Helft mir auf die Beine Ich muss weiter! Wartet noch! Ihr dürft nicht gehen! Es ist ein Wunder geschehen von dem ich mehr als sicher bin auch ihr wollt es sehen! Ein Dummkopf ein törichter Greis machte mich mehr als froh Er gab mir zum besten Preis ein Fass Amontillado Ein ganzes Fass? Das glaub ich nicht! Da führt Euch jemand hinter Licht! Ein ganzes Fass? Das kann nicht sein! Jemand legt Euch herein! Ganz gleich ein großer Spaß so oder so! Kommt, lasst uns gehen! Ich will ihn sehen euren Amontillado! Zwischen den Bäumen ragt er hervor der Palast meines Freundes Montresor Fröhlich schwatzend treten wir ein Wo mag er sein der Amontillado? Folgt mir nach durchs große Tor in die Gewölbe derer von Montresor Der Boden ist rutschig die Mauern alt Gebt gut acht dass ihr mir bloß nicht fallt Wir steigen tiefer hinab in das Dunkel bei nichts als Fackelschein Wir steigen tiefer hinab in die Kälte wir beide ganz allein Weißes Gespinst an den Wänden Fasst nichts an mit bloßen Händen Haltet ein Tuch vor euren Mund Reibt nicht die Augen sonst werden sie schnell wund Ich kann nicht atmen bekomme kaum Luft Es ist stockfinster in dieser alten Gruft Ein seltsamer Ort für solch einen Wein Wo kann er nur sein der Amontillado? Wir steigen tiefer hinab in das Dunkel bei nichts als Fackelschein Wir steigen tiefer hinab in die Kälte wir beide ganz allein Wir sind ans Ende des Weges gelangt Hier ruht der Wein um den ihr so bangt Dort in der Wölbung Ihr seid sicher froh steht das Fass voll Amontillado Hier sind nur Gebeine vom Boden zur Decke und eine Öffnung dort in der Ecke Ich trete ein zu schwach ist das Licht Hier hängt eine Kette Ein Fass, das seh ich nicht Welchen Schabernack treibt Ihr? Montresor, was zum Teufel tun wir hier? Wo ist er nun, der Wein? Montresor, weshalb löscht Ihr den Fackelschein? Jetzt gehört du endlich mir Fortunato, hilflos wie ein blindes Tier Jetzt hab ich dich in der Hand Fortunato, festgekettet an der Wand Was…? Hab ich dich, Fortunato! He! Was soll das? Macht mich los! Nein. Stein auf Stein Ich maure dich ein Mörtel und Kelle versiegeln deine Zelle Wehr dich nicht, beschwer dich nicht! Hör endlich auf zu schreien! Dich befreien? Dir verzeihen? Die Antwort lautet: Nein! Du stirbst allein! Stein auf Stein Ein guter Spaß! Ein großer Spaß! Stein auf Stein Sagt, werden wir nicht im Schloss erwartet? Stein auf Stein Genug jetzt, lasst mich gehen! Stein auf Stein Um Gottes Willen, Montresor! Stein auf Stein In pace requiescat Stein auf Stein Nemo me impune lacessit Am Ende war da nur noch das Klingeln der Schellen das Rasseln seiner Ketten Mein Herz wurde schwer Gegen das neue Mauerwerk türmte ich den alten Knochenwall auf Seit einem halben Jahrhundert hat kein Sterblicher ihn je angerührt...

about

[DEU] RIGs zweites Soloalbum knüpft nahtlos an sein Debüt "Wurmpalast" an. Erneut standen die Erzählungen Edgar Allen Poes Pate, um von RIG und Produzent Emil Cezanne in musikalische Alpträume verwandelt zu werden. Im über dreißigminütigen Mini-Album wird auf dem Doom-Metal-Fundament ein musikalisch breiteres Spektrum ausgelotet, das von Shoegaze über Death Metal hin zur Operette reicht.

Die Texte und deren gesangliche Darbietung sind noch exaltierter und eindringlicher geraten als schon auf "Wurmpalast", die Musik ist ebenfalls noch gewagter. RIG setzt sich keine Grenzen und webt zusammen mit Emil ein dunkles Netz, das sich übers gesamte Album spannt und von Illustratorin Jana Heidersdorf kongenial visualisiert wurde.

Die Geschichten über Rache, Wahn und Hybris werden perfekt abgerundet durch den erneuten Gastauftritt von Luci van Org und das grandiose Duett von RIG mit Die Kammer Sänger Marcus Testory auf dem abschließenden, dreizehnminütigen Epos "Fortunato".

CD Version (inkl. Digitalcode) gibt es ab sofort exklusiv im Knochenhaus SHOP: shop.knochenhaus.de/tontraeger/314/narrenzeit-cd-digital

[ENG] "Narrenzeit " (Time of fools) is RIGs second solo album after "Wurmpalast" (Palace of worms). Again short stories by Edgar Allen Poe were the main inspiration for RIG and Emil Cezanne (producer) to create their musical nightmares. The album combines doom metal with other influences such as shoegaze, death metal, operatic scenes and more. This time there seems to be no limit when it comes to paint these dark songs of revenge, betrayal and hybris.

Physical Edition available exculsively at Knochenhaus: shop.knochenhaus.de/tontraeger/314/narrenzeit-cd-digital

credits

released October 26, 2025

Alle Kompositionen: Emil Cezanne und Dirk Riegert
Alle Texte: Dirk Riegert

Gesang: RIG
Gitarren, Bass und Programmierung: Emil Cezanne
Gastgesang auf “Fortunato”: Marcus Testory
Narrenchor auf „Fortunato“: Luci van Org, Marcus Testory und RIG

Produktion und Mastering: Emil Cezanne
Gesangsaufnahmen Max: Mathias Ambre
Gesangsaufnahmen Luci: Luci van Org

Coverart: Jana Heidersdorf

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JANUS Mainz, Germany

JANUS are a German alternative duo exploring spiritual abyuss with a wide range of musical influences from metal to goth and classical music.

Als JANUS erforschen Toby und RIG menschliche Abgründe. Seit Ende der 90er gilt das deutschsprachige Duo einem Kreis Eingeweihter als Sinnbild für außergewöhnliche Musik ohne Grenzen.
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